Was auch immer du willst – fast…!

Das mit der Kindererziehung ist so eine Sache. Ich denke immer wieder, ich sollte dazu vielleicht einmal ein Buch lesen, eine kluge Zeitschrift abonnieren, mit Experten sprechen, mich mit anderen Müttern austauschen… Aber dann am Schluss fehlt mir doch immer die Zeit und ich ertappe mich dabei, dass der Leidensdruck wohl doch nicht so hoch ist. Ich denke, ich bin ganz zufrieden mit meinem Kind. Und mit mir. Was auch immer du willst – fast…! weiterlesen

Wandern mit Kindern: Heute Wildkirchli

Es soll ja Kinder geben, die gerne wandern – hab ich gehört – von anderen Eltern… Leider gehören unsere drei nicht dazu. Bislang konnte sie gar nichts zum wandern motivieren. Bis wir im vergangenen Sommer, es war ein wirklich grusiger Regentag – beschlossen, ins Appenzell zu fahren – nach Wasserauen – hoch zum Wildkirchli. Ein guter Freund hatte davon erzählt und es hörte sich für mich einfach sehr spannend an: Spektakuläre Aussicht über das Appenzellerland und eine relativ kurze, einfache Wanderung, also auch mit kleinen Kindern machbar. Auf ging es!

Die Freude bei den Kindern war natürlich „riesengross“… aber ich versuchte mit Volksliedern wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder „Das Wandern ist des Müllers Lust“ für bessere Stimmung zu sorgen – erntete jedoch nur böse Blicke (12 jähriger Sohn) oder dumme Kommentare, wie „Mama, du kannst ja gar nicht singen“ (7 jähriger Sohn) – einzig der 5 jährige war gut drauf. Egal. Die Fahrt verging so wie im Flug und wir parkten in Wasserauen, um von dort direkt auf die Ebenalp zu fahren. Hinein ging es in die Luftseilbahn – und ich muss sagen, die Fahrt ist schon ein wenig abenteuerlich, denn wir hatten das Gefühl nun direkt in die Felswand zu fahren – was natürlich nicht passierte – aber die Stimmung war nun sehr aufgeregt und gespannt.

Nach der 6 minütigen Fahrt spazierten wir los – um bei Nieselregen und dicken Wolken und keiner guten Sicht über die Appenzeller Berge – unsere kleine Wanderung zu starten. Der Weg ist gut gesichert und auch mit einem geländegängigen Kinderwagen könnte man diese Tour gehen. Da wir keine Lauflernhilfen mehr für unsere Kinder brauchen – erreichten wir nach circa 10 Minuten die mystischen Wildkirchlihöhlen. In diesen wurden vor über 100 Jahren prähistorische Steinwerkzeuge und Überreste von Höhlenbären gefunden, die erstmals den Beweis erbrachten, dass der Alpenraum schon vor über eine Million Jahren von Menschen bewohnt war. Besonders bei Regenwetter, wie wir es hatten, wirken die Wildkirchlihöhlen besonders geheimnisvoll: Wasser tropft von der Felswänden, das Licht ist nebelig-diffus. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sich hier das Leben vor langer Zeit abgespielt hat. Dieses Gefühl überkam wohl auch unsere Kinder, denn sie konnten gar nicht genug bekommen von der Höhlen und erzählten uns lebhaft, wie es hier wohl zugegangen sein könnte.

Mama und Papa? Gibts jetzt hier immer noch Bären? Nein, die sind nicht mehr hier… Doch! Ich glaub da hinten in der Felsspalte, hab ich gerade einen gesehen…

Unsere Kinder, zwischen 12 und 5 Jahren, hatten zusammen Spass! Jeder der mehrere Kinder mit grossem Altersunterschied hat, weiss wovon ich spreche. Das ist nicht selbstverständlich und braucht besondere Recherche und Organisation!

Nachdem wir also die Wildkirchlihöhlen ausgiebig erkundet hatten, ging es weiter. Vorbei an der Höhlenkapelle, in der im Sommer monatlich Bergpredigten abgehalten werden, entlang an der Felswand vorbei über eine hölzerne Galerie – die bei nassem Wetter abenteuerlich, aber nicht gefährlich ist – direkt zum Berggasthaus Äscher, der direkt an die nackte Felswand gebaut ist und einer der ältesten Gasthöfe der Schweiz ist.

Wer mit Kindern unterwegs ist, der weiss: Spätestens nach 1o Minuten Fussmarsch haben sie Hunger! Da wir ja schon seit mindestens 30 Minuten unterwegs waren, wurde es nun auf jedem Fall Zeit für eine Stärkung und die bekommt man im Gasthaus Äscher, in Form von Appenzeller Spezialitäten. Wir sind alle Rösti-Fans – deshalb war klar, was auf den Tisch kommt. Während des Wartens auf unseren „Rösti Snack“ stellten die Kinder mit Staunen fest, dass der Gasthof an die Felswand angeklebt ist. Ich weiss auch nicht, wie das bautechnisch geht – aber es sieht unglaublich aus und fühlt sich auch so an! Denn: Irgendwie schwebt man doch so ein wenig in der Luft…

Gasthaus Äscher - Wildkirchli. Foto: Peter Böhi.
Gasthaus Äscher – Wildkirchli. Foto: Peter Böhi.

Naja, auf jedem Fall wanderten wir nach unserer Stärkung zurück zur Ebenalp und hatten einen echt spannenden Nachmittag. Unsere Kinder schwärmen noch heute von dieser Wanderung, die spannend, eindrücklich, sehenswert und kulinarisch einfach „grosses Kino“ ist.

Wer mehr Infos zu den Wildkirchlihöhlen, dem Wildkirchli und der Ebenalb sucht, kann auf die Seite www.ebenalp.ch gehen. Dort findet ihr auch alles zu Flora, Fauna, geführte Wandertouren und Infos zum Appenzellerland.

/ Antje Brechlin